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Wo die wilde Katze wohnt

In Europa zu Hause

Wie ihr Name schon sagt, ist die Europäische Wildkatze in Europa zu Hause. In vorgeschichtlicher Zeit war sie in ganz Europa bis auf Skandinavien, Irland und Nordosteuropa weit verbreitet. Die ältesten Nachweise der Wildkatze in Mitteleuropa stammen aus dem Mittelpleistozän (etwa 500.000 bis 300.000 v. Chr.).

Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts rückte die Wildkatze mit der Abnahme von Wolf und Luchs ins Blickfeld der Jäger. Die schonungslose, jahrzehntelang anhaltende Verfolgung der als „Jagdschädling“ abgestempelten Wildkatze führte dazu, dass sie um 1900 regional fast ausgerottet war. Die Geschichte einer unglaublichen Verteufelung eines harmlosen Mäusefängers finden Sie hier...

Heute ist sie nur noch inselartig verbreitet. Die noch bewohnten Areale sind in der Regel an bewaldete Regionen der Mittelgebirge gebunden. Sie kommt vor allem auf der iberischen Halbinsel, in Schottland, Italien, auf dem Balkan, in Ostfrankreich bis Belgien und in Teilen West- und Mitteldeutschlands vor. Weitere Informationen zur Verbreitung der Wildkatze in Deutschland und speziell in Rheinland-Pfalz finden Sie hier...



Heutiges Verbreitungsgebiet der Europäischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris) nach Piechocki und BUND-Wildkatzenwegeplan 2009; basierend auf der Karte von H. Grabe, aus: Die Wildkatze – Zurück auf leisen Pfoten; H. Grabe, G. Worel (Hg.), Amberg 2001; ergänzt und optisch überarbeitet von N. Martin

 

Trotz Unterschutzstellung der Art um die Mitte des 20. Jahrhunderts erholen sich die Bestände der Wildkatze - wenn überhaupt - nur sehr langsam. Heute wird durch die intensivere Nutzung der Landschaft, durch den immer stärker werdenden Verkehr, durch neue Siedlungsgebiete und Freizeiteinrichtungen vielfältig in den Lebensraum der Wildkatze eingegriffen. Er wird verkleinert und vor allem zerschnitten. Die Wildkatze bedarf daher weiterhin unseres Schutzes und unserer Unterstützung. Doch in welchem Lebensraum kann die Wildkatze heute noch ein Zuhause finden? Weitere Informationen finden Sie hier...

 

Verbreitung in Deutschland

Verbreitungskarte der Wildkatze

Verbreitungsgebiet der Wildkatze in Deutschland: aktuelle Vorkommen und geeignete Lebensräume. Bei Klick öffnet sich die Karte als pdf-Dokument.

In Deutschland besiedelt die Wildkatze heute nur noch ca. 10 % der ursprünglichen Lebensräume in geschlossenen Waldgebieten der Mittelgebirge. Der Gesamtbestand der Wildkatze wird derzeit auf 1.500 bis 5.000 Tiere geschätzt
Es gibt zwei Verbreitungszentren in Deutschland:

Im Westen kommt die Wildkatze vor allem in Rheinland-Pfalz und hier in Eifel, Hunsrück, Pfälzerwald und Taunus vor. Zwischen den Populationen in Eifel und Hunsrück ist über die Mosel hinweg ein Austausch möglich. Es besteht ebenso eine Verbindung zu den angrenzenden Populationen in Südostbelgien, Luxemburg und eingeschränkt zu Nordostfrankreich. Die Vorkommen im Pfälzerwald stehen im Austausch mit den benachbarten französischen Populationen in den Nordvogesen. Dieser Gesamtverbund bildet das bedeutendste mitteleuropäische Verbreitungsgebiet der Wildkatze. Ihm kommt eine hohe Bedeutung bei der Sicherung der Genressourcen in Europa zu.

Das zweite Verbreitungszentrum liegt in der Mitte Deutschlands und umfasst die Waldgebiete im Harz, Solling, Kyffhäuser sowie die übrigen Waldgebiete Nordthüringens und den Hainich. Der Harz stellt dabei das klassische Verbreitungsgebiet der Wildkatze dar. Von hier aus erfolgen Abwanderungen in angrenzende Landschaften. Die Besiedlungsdichte in den anderen Gebieten ist ausgesprochen gering, auch wenn seit einigen Jahren Ausbreitungstendenzen festzustellen sind.
In Bayern ist es gelungen, Wildkatzen im Spessart und im Steigerwald wieder anzusiedeln.
Im Saarland ist die Wildkatze außerhalb der Siedlungsbereiche weit verbreitet.

Rheinland-Pfalz = Wildkatzenland

Rheinland-Pfalz beherbergt mit etwa 1.000 – 3.000 Tieren mehr als die Hälfte des gesamtdeutschen Wildkatzen-Bestandes und hat damit eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art. Das vom Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht in Auftrag gegebene und von dem Büro ÖKO-LOG Freilandforschung ausgearbeitete Artenschutzprojekt konnte folgende Rückzugsareale in Rheinland-Pfalz ermitteln:


Verbreitungsgebiet der Wildkatze in Rheinland-Pfalz (Stand 2015)

Bereiche in der Eifel mit geringer Schneelage im Winter: 2.644 km² besiedelte Fläche mit ca. 410 – 1.080 Tieren

Hunsrück: 2.503 km² mit 400 – 1.040 Tieren

Pfälzerwald: 1.514 km² mit 220 – 590 Tieren

Taunus: 1.469 km² mit 60 – 160 Tieren

Bienwald als einzige Wildkatzenpopulation Europas in Niederungswäldern: 104 km² mit 18 – 45 Tieren

 

Allerdings ist die Wildkatze auch in Rheinland-Pfalz weiterhin durch vielfältige Eingriffe in ihren Lebensraum gefährdet. Teilpopulationen droht durch Arealverlust und Zerschneidung der verbliebenen Lebensräume die Isolation und damit die Verarmung des Genpools. Weitere Informationen hier... 

Um der Wildkatze auch in Zukunft in Rheinland-Pfalz ein Zuhause zu sichern, wurden im Artenschutzprojekt modellhaft Lösungsansätze für Wildkatzenförderräume beschrieben und umgesetzt. Hier geht’s weiter zu konkreten Schutzmaßnahmen: Alles für die Katz.

 

Wild und ruhig



Die Wildkatze hat ganz besondere Ansprüche an ihren Lebensraum: Sie benötigt ausgedehnte störungsarme Wälder. Naturnahe Wälder werden dabei naturfernen Waldbeständen bevorzugt. Denn intensiv forstwirtschaftlich genutzte Wälder mit niedrigen Umtriebszeiten und hohem Erschließungsgrad bieten wenig Strukturen, in denen die Katze Nahrung, Versteckmöglichkeiten und Aufzuchtplätze für ihre Jungen finden kann. „Wilde“ Wälder mit einer vielfältigen Kraut-, Strauch- und Baumschicht, mit uralten, dicken Bäumen und stehendem Totholz, mit kleinen, versteckten Lichtungen und Windbrüchen mit Naturverjüngung bieten dies jedoch. Tagsüber kann sich die Wildkatze in dichte Heckengebüsche, Reisighaufen oder Kronen und Wurzelteller vom Wind umgeworfener Bäume zurückziehen oder auf Baumstümpfen in der Sonne baden. Hier findet sie auch trockene, ruhige Wurfplätze in Baumhöhlen, in denen sie ihre Jungen geschützt vor möglichen Prädatoren wie Wildschweinen, Füchsen oder Eulen aufziehen kann. Für die Nahrungssuche sind die inneren und äußeren Ränder des Waldes wichtig, hier kommen besonders viele Kleinsäuger vor. Gerne halten sich Wildkatzen auch in der Nähe von Still- und Fließgewässern auf.



Die Streifgebiete der einzelnen Wildkatzen weisen entsprechend der Ausstattung und des Nahrungsangebotes unterschiedliche Größen auf. Für die weiblichen Katzen wurden Größen von 200 bis 1.500 ha beobachtet, während die Kuder oft größere Reviere besetzen (bis 4.000 ha). Dabei können sich die Reviere der weiblichen und männlichen Katzen vollständig überlagern, zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren gibt es seltener Überschneidungen. Je nach Jahreszeit kann der Standort der Wildkatze innerhalb des Gebietes wechseln.

Wo Gebüsche und Hecken ihnen Deckung geben, wagen sich Wildkatzen sogar aus dem Wald heraus. Untersuchungen vom Büro ÖKO-LOG Freilandforschung zu möglichen Wanderkorridoren zwischen Pfälzerwald und Bienwald haben ergeben, dass Wildkatzen für einen solchen Korridor Gehölze mit einer Mindestgröße von 0,5 ha und Staudenfluren als Trittsteinbiotope brauchen. Völlig vegetations- und strukturverarmte Landschaftsstreifen von wenigen hundert Metern Breite hindern die Katzen daran, in andere Gebiete zu wechseln. Auch von der Bebauung halten die Wildkatzen meist einen Abstand von mehreren hundert Metern.

Wichtig für die Zukunft der Wildkatze wird es sein, diese Wald-Lebensräume zu schützen und miteinander zu verbinden, dabei werden auch viele andere Tier- und Pflanzenarten von den Maßnahmen profitieren. Weitere Informationen hier...

Fotos von oben nach unten:

1) von Thomas Stephan
2) von Anne Laux
3) von Michael Schmolz
4) von Anne Laux









In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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