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Systematik

Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Katzen (Felidae)
Gattung: Altwelt-Wildkatzen (Felis)
Art: Wildkatze (Felis silvestris, Schreber 1777)
Unterart: Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)

Verwandte Katzen: Weitere Unterarten der Wildkatze (Felis silvestris) sind die Falbkatze (Felis silvestris libyca) aus Afrika und die Steppenkatze (Felis silvestris ornata) aus Asien.


Die Wildkatze, Foto Thomas Stephan

Aussehen

Das langhaarige, dichte Fell ist gelblich-grau mit einer eher verwaschenen, oftmals kaum sichtbaren Tigerzeichnung beim erwachsenen Tier. Junge Wildkatzen weisen oft noch eine sehr viel kontrastreichere Zeichnung auf. Von der Stirn ziehen sich maximal sechs dunkle Streifen zwischen den Ohren bis in den Nacken. In der Rückenmitte verläuft ein dunkle Linie (Aalstrich). Weitere Merkmale sind ein fleischfarbener Nasenspiegel, weiße, kräftig ausgebildete Schnurrhaare und häufig ein weißer Kehlfleck. Auffallend ist der buschige Schwanz mit den typischen dunklen Ringen und seinem stumpfen, ebenfalls dunklen Ende.

Wild- und Hauskatze im Vergleich

Gewicht

Der Kuder (männliche Wildkatze) wiegt zwischen 3 und maximal 8 kg, während das Weibchen nur zwischen 2,5 und 5 kg auf die Waage bringt, Das Gewicht ist dabei abhängig von Alter der Katze und Jahreszeit.

Größe

Die Europäische Wildkatze ist durchschnittlich etwas größer als die Hauskatze. Die Körperlänge beträgt an die 80 cm, die Schulterhöhe liegt bei 40 cm. Sie wirkt auf Grund ihres langhaarigeren Fells recht massig.

Alter

Im Freiland erreicht die Wildkatze ein Alter von 7-10 Jahre, in Gefangenschaft kann sie über 15 Jahre alt werden.

Spuren

Die Vorderpfoten haben fünf Zehen (aber nur vier erscheinen im Abdruck), die Hinterpfoten vier. Der Abdruck ist rundlich, Kralleneindrücke sind keine zu finden. Die Trittsiegel unterscheiden sich von der Hauskatze dadurch, dass sie etwa 1 cm länger und breiter sind.



Foto: Philipp Schiefenhövel

Lautäußerungen

Eine Wildkatze kann fauchen, knurren, schnurren, miauen und „schreien“. Die kreischenden Lautäußerungen des Kuders sind vor allem in der Ranzzeit zu hören.

Lebensraum


Lebensraum der Wildkatze, Foto Michael Schmolz

Bei der Auswahl des Lebensraums werden große, unzerschnittene und störungsarme Waldlandschaften bevorzugt. Insbesondere Saumbereiche von Waldgebieten, Windwurfflächen oder aufgelockerte Bestände werden gerne genutzt, hier das Beutetierangebot entsprechend gut ist. Für Deckung und Versteckmöglichkeiten werden eine strukturreiche Vegetation und Geländebeschaffenheit benötigt. Zur erfolgreichen Aufzucht der Jungen sind trockene und warme Plätze, wie z.B. Baum- und Felshöhlen oder Wurzelteller eine wichtige Voraussetzung.

Verbreitungsgebiete

Nahrung

Die Wildkatze fängt vor allem Mäuse. Seltener im Nahrungsspektrum vorhanden sind Kaninchen, Junghasen, Siebenschläfer, Kleinvögel, Insekten, Eidechsen, Fische und Amphibien. In winterlichen Notzeiten fressen Wildkatzen auch Aas. Die Aufnahme von pflanzlicher Nahrung dient vermutlich dazu, das Auswürgen von unverdaulichen Resten tierischer Nahrung zu erleichtern.

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Fortpflanzung

Die Hauptranzzeit liegt zwischen Februar und März. Sie kann sich jedoch bis in den Hochsommer erstrecken. Nach einer Tragezeit von gut neun Wochen kommen für gewöhnlich zwei bis vier Junge zur Welt, die anfangs noch blind sind. Innerhalb der ersten zwei Lebenswochen öffnen sie die Augen. Mit etwa sechs Wochen können die Jungen Fleischnahrung zu sich nehmen. Ab fünf Monaten sind die Jungtiere selbständig. Wie lange die jungen Katzen im Revier der Mutter bleiben, bevor sie sich ein neues Streifgebiet suchen, ist unterschiedlich. Die Geschlechtsreife tritt zwischen neun und elf Monaten ein.

Territoriumsgrößen

Im Allgemeinen sind die Streifgebiete der männlichen Wildkatzen deutlich größer als die der weiblichen Wildkatzen. Die Gebietsgröße von Katzen liegt zwischen 200 - 1.100 Hektar, Kuder können ein Gebiet bis 4.000 ha durchstreifen. Dabei ist die Größe abhängig von Lebensraumqualität und Beuteangebot sowie Populationsdichte, Jahreszeit und individuellen Ansprüchen der Wildkatze an ihren Lebensraum. Die Streifgebiete der Kuder werden zusätzlich durch die Verteilung der Weibchen beeinflusst.

Natürliche Feinde und Gefährdung

Unbewachten Jungtieren der Wildkatze können Fuchs, Baummarder und Hermelin gefährlich werden. Sehr selten kann die Wildkatze auch Beute von Luchs, Wolf und möglicherweise Uhu werden. Jedoch stellt keine dieser Arten der Wildkatze gezielt nach. Weitaus häufigere Todesursache für die Wildkatze ist jedoch der Straßentod. Bedingt durch ihre großen Streifgebiete sind Einengung und Zerschneidung des Lebensraums durch eine zunehmende Verkehrswegedichte mit die Hauptgründe für den Rückgang der Bestände. Auch heute stellen noch (Fehl-)Abschüsse und Fallenfang einen hohen Prozentsatz der bekannt gewordenen Todesfälle dar.

Weitere Informationen

Schutz

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und ist durch wichtige internationale Abkommen, wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen (1973), der Berner Konvention (1979) und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (1992, FFH-Anhang IV) streng geschützt. In der Roten Liste Deutschlands wird sie als stark gefährdet eingestuft.

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In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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