Aussehen
Das langhaarige, dichte Fell ist gelblich-grau mit einer eher verwaschenen, oftmals kaum sichtbaren Tigerzeichnung beim erwachsenen Tier. Junge Wildkatzen weisen oft noch eine sehr viel kontrastreichere Zeichnung auf. Von der Stirn ziehen sich maximal sechs dunkle Streifen zwischen den Ohren bis in den Nacken. In der Rückenmitte verläuft ein dunkle Linie (Aalstrich). Weitere Merkmale sind ein fleischfarbener Nasenspiegel, weiße, kräftig ausgebildete Schnurrhaare und häufig ein weißer Kehlfleck. Auffallend ist der buschige Schwanz mit den typischen dunklen Ringen und seinem stumpfen, ebenfalls dunklen Ende.
Gewicht
Der Kuder (männliche Wildkatze) wiegt zwischen 3 und maximal 8 kg, während das Weibchen nur zwischen 2,5 und 5 kg auf die Waage bringt, Das Gewicht ist dabei anhängig von Alter der Katze und Jahreszeit.
Größe
Die Europäische Wildkatze ist durchschnittlich etwas größer als die Hauskatze. Die Körperlänge beträgt an die 80 cm, die Schulterhöhe liegt bei 40 cm. Sie wirkt auf Grund ihres langhaarigeren Fells recht massig.
Alter
Im Freiland erreicht die Wildkatze ein Alter von 7-10 Jahre, in Gefangenschaft kann sie über 15 Jahre alt werden.
Spuren
Die Vorderpfoten haben fünf Zehen (aber nur vier erscheinen im Abdruck), die Hinterpfoten vier. Der Abdruck ist rundlich, Kralleneindrücke sind keine zu finden. Die Trittsiegel unterscheiden sich von der Hauskatze dadurch, dass sie etwa 1 cm länger und breiter sind.

- Foto: Philipp Schiefenhövel
Lautäußerungen
Eine Wildkatze kann fauchen, knurren, schnurren, miauen und „schreien“. Die kreischenden Lautäußerungen des Kuders sind vor allem in der Ranzzeit zu hören.
Lebensraum

- Lebensraum der Wildkatze, Foto Michael Schmolz
Bei der Auswahl des Lebensraums werden große, unzerschnittene und störungsarme Waldlandschaften bevorzugt. Insbesondere Saumbereiche von Waldgebieten, Windwurfflächen oder aufgelockerte Bestände werden gerne genutzt, hier das Beutetierangebot entsprechend gut ist. Für Deckung und Versteckmöglichkeiten werden eine strukturreiche Vegetation und Geländebeschaffenheit benötigt. Zur erfolgreichen Aufzucht der Jungen sind trockene und warme Plätze, wie z.B. Baum- und Felshöhlen oder Wurzelteller eine wichtige Voraussetzung.
Nahrung
Die Wildkatze fängt vor allem Mäuse. Seltener im Nahrungsspektrum vorhanden sind Kaninchen, Junghasen, Siebenschläfer, Kleinvögel, Insekten, Eidechsen, Fische und Amphibien. In winterlichen Notzeiten fressen Wildkatzen auch Aas. Die Aufnahme von pflanzlicher Nahrung dient vermutlich dazu, das Auswürgen von unverdaulichen Resten tierischer Nahrung zu erleichtern.
Fortpflanzung
Die Hauptranzzeit liegt zwischen Februar und März. Sie kann sich jedoch bis in den Hochsommer erstrecken. Nach einer Tragezeit von gut neun Wochen kommen für gewöhnlich zwei bis vier Junge zur Welt, die anfangs noch blind sind. Innerhalb der ersten zwei Lebenswochen öffnen sie die Augen. Mit etwa sechs Wochen können die Jungen Fleischnahrung zu sich nehmen. Ab fünf Monaten sind die Jungtiere selbständig. Wie lange die jungen Katzen im Revier der Mutter bleiben, bevor sie sich ein neues Streifgebiet suchen, ist unterschiedlich. Die Geschlechtsreife tritt zwischen neun und elf Monaten ein.
Territoriumsgrößen
Im Allgemeinen sind die Streifgebiete der männlichen Wildkatzen deutlich größer als die der weiblichen Wildkatzen. Die Gebietsgröße von Katzen liegt zwischen 200 - 1.100 Hektar, Kuder können ein Gebiet bis 4.000 ha durchstreifen. Dabei ist die Größe abhängig von Lebensraumqualität und Beuteangebot sowie Populationsdichte, Jahreszeit und individuellen Ansprüchen der Wildkatze an ihren Lebensraum. Die Streifgebiete der Kuder werden zusätzlich durch die Verteilung der Weibchen beeinflusst.
Gefährdung
Natürliche Feinde der Wildkatze sind Luchs, Wolf und möglicherweise auch der Uhu. Unbewachten Jungtieren können auch Fuchs, Baummarder und Hermelin gefährlich werden. Weitaus häufigere Todesursache für die Wildkatze ist jedoch der Straßentod. Bedingt durch ihre großen Streifgebiete sind Einengung und Zerschneidung des Lebensraums durch eine zunehmende Verkehrswegedichte mit die Hauptgründe für den Rückgang der Bestände. Auch heute stellen noch (Fehl-)Abschüsse und Fallenfang einen hohen Prozentsatz der bekannt gewordenen Todesfälle dar.
Schutz
Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und ist durch wichtige internationale Abkommen, wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen (1973), der Berner Konvention (1979) und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (1992, FFH-Anhang IV) streng geschützt. In der Roten Liste Deutschlands wird sie als stark gefährdet eingestuft.




