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Mythos (Wild)Katze

Was fasziniert den Menschen an (Wild)Katzen? Sind es ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten, die sie im Dunkeln sehen lassen und dafür sorgen, dass sie immer auf die Füße fallen? Sind es ihre Geschmeidigkeit, Schnelligkeit und Anmut? Oder fühlen sich die Menschen angezogen von ihrer stolzen Eigenwilligkeit, die ihre freiwillige Zuneigung erst so kostbar macht? Wofür auch immer die Katze steht - sie ist und bleibt ein geheimnisvolles Wesen.

Es ist schwer, den Mythos Wildkatze von dem der Hauskatze zu trennen. Während wir heute beispielsweise recht viel über die ägyptische Tradition der Hauskatzenverehrung wissen, wird oftmals außer Acht gelassen, dass gerade hier bei uns in Mitteleuropa die Wildkatze das anfängliche Bild prägte.

Die Europäische Wildkatze durchstreifte unsere Wälder bereits lange Zeit bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen nahmen. Anhand von zahlreichen Knochenfunden in Siedlungen der römischen Provinzen an Rhein und Donau ist belegt, dass sie die Vorgänger unserer heutigen Hauskatze bei der Ausweitung ihres Reichs mitbrachten. Die Datierung der Funde weist auf ein regelmäßiges Vorkommen der Hauskatze erst ab dem 1. Jahrhundert hin.

Die Faszination „Katze“ begann jedoch schon bevor die Hauskatze von den Römern zu uns gebracht wurde. So gibt es mittlerweile einige archäologische Funde, die den Kontakt von Mensch und Wildkatze in der Vorzeit bezeugen. An vielen mittel- und jungpleistozänen Lagerplätzen eiszeitlicher Jäger wurden Knochen von Wildkatzen und der entsprechenden Begleitfauna ausgegraben. Die Hauptgründe für die Erbeutung der Katzen lassen sich anhand der Grabungsfunde nicht eindeutig bestimmen. Es ist möglich, dass die Wildkatzen wegen ihres guten Felles und vielleicht auch für Nahrungszwecke gejagt wurden. Ein weiterer Grund könnte ihre Verwendung bei der Ausübung von Kulthandlungen sein, da ein großer Teil der Wildkatzenknochen in gleicher Art und Weise wie die Knochen der übrigen Opfertiere aufgefunden wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts gelang M. Teichert ein spannender Fund: Unter den Leichenbrandresten eines zur Havelländischen Kultur gehörenden Totenhauses wurden Knochen von mindestens sechs Wildkatzen gefunden. Die durchbohrten Knochen und Zähne dieser Tiere wurden anscheinend in der Vorzeit als Schmuckanhänger gebraucht. Ein weiterer Hinweis auf den Stellenwert, den die Wildkatze für die Menschen dieser Zeit einnahm. Der interessanteste Fund ist wohl die Tonfigur einer Wildkatze aus einem spätbronzezeitlichen Hügelgrab (um 1000 v.u.Z.) in Mitteleuropa. Diese knapp 10 cm große Grabbeigabe stellt einen Kater in Verteidigungshaltung dar und ist die älteste in Mitteleuropa gefundene Tonfigur einer Katze.


Nils Johan Olsson Blommér: Freja sucht ihren Ehemann, 1852

Ein weiterer Hinweis auf den Stellenwert, den die Wildkatze für die Menschen dieser Zeit einnahm. Der interessanteste Fund ist wohl die Tonfigur einer Wildkatze aus einem spätbronzezeitlichen Hügelgrab (um 1000 v.u.Z.) in Mitteleuropa. Diese knapp 10 cm große Grabbeigabe stellt einen Kater in Verteidigungshaltung dar und ist die älteste in Mitteleuropa gefundene Tonfigur einer Katze. Die Wildkatze hatte auch einen festen Platz in der germanischen Mythologie. Wildkatzen zogen den Wagen der Göttin Freya durch die himmlischen Gefilde. Freya, die Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, war eine der bedeutendste Göttin der germanischen Mythologie. Ihr wurde sogar ein Tag der Woche geweiht, der „Freyas Tag“, heute bekannt als Freitag. Später, im prüden und frauenfeindlichen Mittelalter, sollte der Katze ihre Verbindung zur Fruchtbarkeitsgöttin Freya teuer zu stehen bekommen.

Andere Länder, andere Sitten

Die Stammform unserer Hauskatze (Felis silvestris forma catus) ist die afrikanische Falbkatze (Felis silvestris libyca). Hinweise auf die Zähmung von Falbkatzen finden sich insbesondere vor etwa 10.000 Jahren in Vorderasien und dort speziell in Ägypten. In jener Zeit veränderte sich die Lebensweise des Menschen, er begann sesshaft zu werden und Nahrungsgüter zu erzeugen. Durch die Vorratshaltung in den Kornkammern Ägyptens wurden Mäuse angezogen und mit ihnen die Falbkatzen. Wahrscheinlich wurde die Anwesenheit der Katze anfänglich durch den Menschen nur geduldet, später dann bewusst gefördert, um die Vorratsschädlinge zu bekämpfen.

Ein Grund für die Verehrung der Katze durch die Ägypter liegt vermutlich in der Verehrung des Löwen, der in der altägyptischen Religion im Zusammenhang mit der Kraft der Sonne gesehen wurde. Dies beruht auf der altägyptischen Annahme, dass der Sonnengott Ra im Laufe eines Tages ein Menschenleben durchlebt und mit seinem Tod die Sonne erlischt. Die Dämmerung ist dabei die Zeit, in der er am schwächsten und die Bedrohung durch böse Geister am größten ist.

Das Sonnenlicht Ras wurde angeblich dadurch gerettet, dass es in den Augen der am Nilufer ruhenden Löwen erhalten blieb. Ihre Augen leuchteten in der Dunkelheit und Ra konnte am nächsten Morgen wieder geboren werden. Durch die Darstellung der Sphinx – ein Löwe mit einem menschlichen Kopf – wurde der Zusammenhang zwischen Gottheit und Löwe weiter verdeutlicht.

Zu Hochzeit des Katzenkultes in Ägypten betrachteten Griechen und Römer die Katze als ungeeignetes Haustier und überließen es lieber den Frettchen ihre Häuser von Mäusen frei zu halten. Jedoch verband man öfters weibliche Götterfiguren wie z.B. Artemis in Griechenland und Diana im Alten Rom mit der Katzengestalt.

Die Katze wurde oft mit dem Mutterkult, der in vielen Kulturen für Fruchtbarkeit, Mondphasen, Überfluss und Geburt steht, in Verbindung gebracht, da die gebärfreudige Katzenmutter ihre Kinder liebevoll umsorgt und beschützt. Die Fähigkeit ihrer Pupillen, sich zu Schlitzen zu verengen oder zu vergrößern, wurde an die Mondphasen angelehnt.

Es war nicht immer schön, eine Katze zu sein:


Die Jagd auf die Wildkatze: „Die hier dargstellten Abbildungen stammen aus einer Handschrift des -vermutlich- frühen 15. Jahrhunderts. Entweder stammen die Miniaturen aus der Werkstatt des Haincelin de Haguenau oder aus dem Atelier des Herzogs von Bedford.“

Die positive Besetzung der Katze als Symbol für Fruchtbarkeit und Unabhängigkeit endete im Mittelalter. Die christliche Religion empfand jeden heidnischen Glauben und dessen Rituale als Bedrohung und ging gegen Andersgläubige massiv vor. Katzen zählten zu den Tieren, die besonders mit heidnischem Glauben in Verbindung gebracht wurden. Dabei wurde der Katze unter anderem ihre Verbindung mit der nordischen Mythologie zum Verhängnis. Mit einem Sündenkatalog wurde die Verfolgung von Katzen und Menschen mit Zuneigung zu Katzen gerechtfertigt. Katzen wurden als Gefährtin von Dämonen und dem Teufel selbst erbittert verfolgt und getötet. Dieses finstere Kapitel der Geschichte kostete nicht nur vielen Menschen, sondern auch unzähligen Katzen das Leben.

In den Mythen und Legenden, die sich auf der ganzen Welt um die Katze ranken, spiegelt sich die unterschiedliche Wahrnehmung der Katze durch die Menschen wieder. Vermutlich auch auf Grund dieser widersprüchlichen Gefühle spielt die Katze seit jeher eine wichtige Rolle in der Kunst. Wobei zahlreiche Schriftsteller, Maler und Musiker in der Katze eine faszinierende Inspirationsquelle fanden und heute noch finden.



Théophile-Alexandre Steinlen: Les chats, 1910


Pierre-Auguste Renoir: Porträt der Mademoiselle Julie Manet mit Katze, 1887

Quellenangabe:









In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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