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Wildkatzenforschung

Die Erforschung der Lebensumstände der Wildkatze ist wichtig, um einen optimalen Schutz dieser Tiere und ihrer Lebensräume zu ermöglichen. Denn nur wenn wir wissen, was die Wildkatze braucht, können wir ihr helfen. Dabei ist es entscheidend zu verstehen, welche Lebensräume und Strukturen Wildkatzen bevorzugen und welche sie meiden. Dies erfährt man durch Beobachtungen, wo sich Wildkatzen tagsüber und in der Nacht aufhalten. Am effektivsten und mit den wenigsten Störungen verbunden ist eine solche „Beobachtung“, indem man den Aufenthaltsort der Wildkatze mit Hilfe eines Senders bestimmt.

Deshalb wurden in der Eifel, im Bienwald und in den Nordvogesen durch ÖKO-LOG Freilandforschung 34 Tiere gefangen und mit einem Halsbandsender versehen. So konnten die Wildkatzen viele Monate verfolgt werden, ohne dass sie gestört wurden. Dies brachte wichtige Erkenntnisse, welche Lebensräume für die menschenscheuen Katzen so wichtig sind, dass sie unbedingt erhalten oder sogar „wieder hergestellt“ werden müssen.

Durch besenderte Tiere konnte auch festgestellt werden, dass die Streifgebiete der Kuder viel größer sind als die der weiblichen Katzen. Im Aktionsraum einer männlichen Wildkatze wohnen meist zwei bis drei Kätzinnen - ganz oder zumindest teilweise. Die Streifgebiete der Tiere gleichen Geschlechts überschneiden sich nur partiell.



Streifgebiete von neun Wildkatzen im Bienwald und dessen Umfeld (Karte: ÖKO-LOG Freilandforschung

Solche Erfassungen, auch Monitoring genannt, stellen die Grundlage für wissenschaftlich fundiertes Arbeiten in der Maßnahmenplanung und für die Entschärfung von raumplanerischen Konflikten dar. Mit einem Monitoring können auch bereits durchgeführte Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit kontrolliert werden. Gleichzeitig kommt man so der gesetzlichen Verpflichtung nach, die durch die FFH-Richtlinie geschützten Arten zu erfassen und ihren Erhaltungszustand zu überwachen.

Methoden


Foto Wolfgang Kluger

Fang und Telemetrie von Wildkatzen

Wildkatzen können in Holzkastenfallen, in denen sich als Köder frisch gemahlene Baldrianwurzel befindet, gefangen werden. Die besten Fangzeiten sind Februar und März. In diesen Monaten haben die Wildkatzen ihre Paarungszeit, in der Jägersprache auch Rollzeit genannt. Bei Fangerfolg wird die Katze betäubt, untersucht und mit einem Halsband mit Sender und integrierter Antenne ausgestattet. Der Sender gibt auf einer für das Ohr nicht hörbaren Frequenz kurze, gepulste Signale in Form von Piepsen ab. Diese können mit einem Empfangsgerät mit Peilantenne geortet werden. Der genaue Aufenthaltsort der telemetrierten Wildkatze wird durch Feststellung des Signals aus mehreren Richtungen bestimmt, was man Kreuzpeilung nennt.

Wildkatzennachweise mit Lockstock und Kamera


Fotos: BUND


Mit der Lockstock-Methode können Wildkatzen in ihrem Lebensraum nachgewiesen werden. Dazu werden raue Holzpflöcke mit Baldrian beduftet. Baldriangeruch lockt Wildkatzen ebenso stark an, wie wir es von unseren Stubentigern kennen. Die Wildkatzen reiben sich an den Stöcken und hinterlassen dabei ihre Haare. In entsprechend ausgestatteten Laboren kann aus den Haaren die Erbsubstanz DNA herausgelöst werden und dadurch bestimmt werden, ob es sich bei dem "Haarspender" tatsächlich um eine Wildkatze handelt.

Auch eine Fotofalle kann in der Nähe des Lockstockes installiert werden. Sie reagiert auf Wärmestrahlung, d.h. wenn ein warmblütiges Tier in die Nähe der Kamera kommt, löst sie aus und macht ein oder mehrere Fotos von dem Besucher des Lockstockes. Auch der BUND setzt Fotofallen ein, um Wildkatzen in bestimmten Gebieten nachzuweisen.

Untersuchung von Totfunden

Werden Katzen tot gefunden, die nach den äußerlichen Merkmalen einer Wildkatze ähnlich sehen, gibt es mehrere Möglichkeiten, dies zu überprüfen: der bereits genannte DNA-Test zur Bestimmung des genetischen Codes, aber auch die Bestimmung von Schädelvolumen und Darmlänge , aus denen jeweils mit Hilfe von Längenmaßen der Schädel- bzw. Darmindex berechnet werden kann.
Wenn Sie glauben eine Wildkatze gefunden zu haben, können Sie das bei uns melden.

Entwicklung einer Lösungsstrategie

Grünbrücken für Wildtiere

Viele unserer letzten Wildkatzenvorkommen sind durch menschliche Siedlungen und Straßen voneinander isoliert. Dörfer und Städte werden konsequent von Wildkatzen gemieden und an Straßen werden Wildkatzen häufig überfahren. Deshalb hat die Wildkatze große Probleme zwischen ihren dauerhaften Lebensräumen, meist größeren Waldflächen, zu wechseln. Dies ist aber wichtig, weil in kleineren Wäldern, wie z.B. dem Bienwald, wegen der großen Streifgebiete der Wildkatzen nur wenige Tiere leben können und nur ein Austausch mit der individuenstarken Pfälzerwaldpopulation eine genetische Verarmung verhindern kann. Deshalb war es wichtig, mit Hilfe dreier besenderter Wildkatzen, die als

einjährige Tiere weitgehend im Offenland zwischen Pfälzerwald und Bienwald lebten, einen noch für Wildkatzen begehbaren Korridor nachzuweisen. In „Wildkatzenkorridoren“ sind es vor allem kleine Gehölze und Staudenflure, die als sogenannte Trittsteinbiotope dienen. Die Trittsteinbiotope liegen häufig an Gewässern, wie im „Bienwaldkorridor“ zum Teil entlang des Otterbachs, und sollen mindestens 1 bis 2,5 ha groß sein (das entspricht 1,5 bis 3,5 Fußballfeldern). Die Abstände zwischen den Trittsteinen dürfen nicht mehr als 500 bis 1.000 m betragen, um den wilden Katzen das Überwinden offener Flächen zu ermöglichen. Damit Wildkatzen sich trauen, einen Weg zwischen den menschlichen Siedlungen hindurch zu wählen, müssen die Bebauungslücken zwischen den Dörfern mindestens eine Breite von 1.000 m haben.

Dadurch, dass man jetzt weiß, wie ein Korridor strukturiert sein muss, kann ganz gezielt darauf geachtet werden, die einzelnen Bausteine zu erhalten bzw. wieder zu verbessern. In manchen Gebieten, die sehr stark von Schnellstraßen oder Autobahnen zerschnitten sind, wie z.B. der Pfälzerwald durch die B10, ist zur Wiederherstellung eines Lebensraumverbundes auch der Bau von „Grünbrücken“ über gefährliche Straßen notwendig.



Zeichnung Grünbrücke Bernhard Speh

In einer vom Landesamt für Umwelt, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht (LUWG) geleiteten Arbeitsgruppe wurden die Wildtierkorridore in RLP identifiziert und für die Landschaftsplanung ebenso zur Verfügung gestellt wie Vorschläge zu Querungshilfen an Straßen.

Der BUND und ÖKO-LOG Freilandforschung arbeiten seit Jahren erfolgreich an einem deutschlandweiten Wildkatzenwegeplan. Das Projekt „20.000 km Wanderkorridore als Rettungsnetz für die Wildkatze“ wird als größtes Naturschutzprojekt Mitteleuropas geplant und ist z.T. schon umgesetzt. In Zukunft soll dieser Wegeplan auch international ausgebaut werden (weitere Infos unter www.bund.net).

Bunker als Lebensraum

In den seit Kriegsende brach liegenden Bunkeranlagen des Westwalls - einer an der ehemaligen westdeutschen Reichsgrenze errichteten Befestigungslinie - hat sich eine Vielzahl an strukturreichen Wildnisstreifen und -inseln entwickelt. Um den Wert dieser Befestigungsanlagen für verschiedene Säugetiere als besonderen Nahrungsraum und Unterschlupf zu untersuchen wurde von ÖKO-LOG Freilandforschung eine Studie durchgeführt (Hier gibt es die Studie zum Download...). Dazu wurden mehrere Bunker(ruinen) mit Infrarot-Sensoren und Dataloggern systematisch überwacht. Darüber hinaus erfolgten weitere Untersuchungen der Bunkeranlagen, wie die Kartierung von (Schnee)Spuren.

ÖKO-LOG Freilandforschung fand heraus, dass Wildkatzen diese Anlagen verhältnismäßig stark nutzen. Ausschlaggebend sind dabei die hohe Mäusedichte und die witterungsgeschützten Ruhe- und Wurfplätze. Diese sind besonders wichtig, da es in den heutigen Wirtschaftswäldern viel zu wenig geeignete Baumhöhlen für die Aufzucht von jungen Wildkatzen gibt.









In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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