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Verfolgt, getötet und fast ausgerottet

„Es gibt wohl kein vergleichbares Beispiel, in dem ein Beutegreifer durch Unkenntnis und gezielte Falschinformation so konstant verdammt und verleumdet wurde, wie dies mit der Wildkatze geschehen ist.“

aus Rudolf Piechocki (1990): Die Wildkatze

In der frühen Menschheitsgeschichte wurden die „Raubtierarten“ ebenso als Jagdbeute geschätzt wie andere, nicht sehr häufige Tierarten. Dabei haben die steinzeitlichen Jäger die heimlich lebende Wildkatze vermutlich nur sehr selten erbeutet und die Bestände der Wildkatze nicht stark beeinflusst.

Als durch Ackerbau und Viehzucht die Nahrungsversorgung des Menschen sicherer wurde, war Wildbret nur mehr eine Ergänzung zur selbst produzierten Nahrung. Allerdings mussten die neuen Landwirte nun ihre Haustiere vor größerem Raubwild schützen. Auch hier spielte die Verfolgung der Wildkatze noch eine sehr nebensächliche Rolle.

Vor etwa 300 Jahren setzte dann ein ausgeprägtes Nutzen-Schaden-Denken ein und Raubwild wurde als Nahrungskonkurrenz angesehen. Man erhoffte sich, durch Ausrottung des Raubwildes die Populationen des sogenannten Nutzwildes gewaltig zu steigern. Die Jäger bejagten anfangs nur die größeren Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs. Nachdem diese so gut wie ausgerottet waren, projizierte man das gesamte Beutespektrum des Luchses bis hin zum Rotwildkalb und allerlei blutrünstige Missetaten auf die Wildkatze und verfolgte diese nun ebenso intensiv.

Um das Feindbild zu verstärken, brachte man sie mit Hexerei in Verbindung und stellte die Wildkatze überproportional groß, mordgierig und Zähne fletschend dar. Selbst der hoch geehrte Ornithologe und „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm verfasste 1856 einen Artikel über „Die Gefahr, welche die wilde Katze, dem Menschen droht“. Hierin wird beschrieben, wie die Wildkatze bei Störungen Menschen an den Hals gesprungen und es sogar zu einem Todesfall gekommen sei.

Unterstützt wurde die Jagd auf die Wildkatze in vielen Ländern Mitteleuropas durch Fang- und Abschussprämien von Seiten der Behörden. Dabei ist die Wildkatze vom Standpunkt der Forst- und Landwirtschaft ein sehr nützlicher Beutegreifer, der sich maßgeblich am biologischen Kampf gegen die Mäuse beteiligt. Schätzungen ergaben, dass die Nahrung der Wildkatze zu etwa 77% aus wirtschaftlich schädlichen, zu 6% aus ziemlich unbedeutenden und nur zu 14% aus jagdlich wertvollen Tierarten besteht, dazu zählen z.B. Hasen, Fasane und Rehkitze.

Bis in die 1920er und 1930er Jahre waren Menschen intensiv damit beschäftigt, die Wildkatze auszurotten. Erst spät konnten sich wissenschaftliche Erkenntnisse über Räuber-Beute Beziehungen, innerartliche Konkurrenz und das ökologische Gefüge des Lebensraums Wald durchsetzen.

Im Jahr 1934 stellte endlich das Reichsjagdgesetz die Wildkatze in Deutschland unter ganzjährigen Schutz, zu einem Zeitpunkt, da die Tiere nur noch in wenigen Rückzugsräumen im Pfälzerwald, in der Eifel und im Harz überlebt hatten. Zur gleichen Zeit wurden die Tellereisen offiziell verboten, denen viele Wildkatzen zum Opfer fielen. In anderen europäischen Ländern wurden Gesetze zur Schonung und zum Schutz der Wildkatze erst zu späteren Zeiten verabschiedet.









In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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