Erste Findelkinder in der Wildkatzenauffangstation
Juni 2010: Vor einigen Tagen hat das Wildkatzenzentrum im Wildfreigehege Wildenburg in Kempfeld drei junge Wildkatzen aus der Eifel aufgenommen.
Ein Landwirt hatte die drei Findelkinder beim Holzmachen in der Eifel entdeckt und sie mitgenommen, da er davon ausging, dass es sich um ausgesetzte Hauskatzenbabys handelt. Bei der tierärztlichen Untersuchung wurde aufgrund des verwaschenen Fells und der fleischfarbenen Nase vermutet, dass es sich um Wildkatzennachwuchs handeln könnte. Auch das aggressive Verhalten gegenüber Menschen bekräftigt die Vermutung.
Unter Vermittlung des BUND und des Wildtierbiologen Manfred Trinzen gelangten die Findlinge nach Kempfeld ins Wildkatzenzentrum. Gehegeleiter Gisbert Geisler und seine Ehefrau haben ehrenamtlich die Rolle als Adoptiveltern übernommen. Tagsüber werden die Tiere im Gehege versorgt und abends vom Ehepaar Geisler mit nach Hause genommen, da sie noch eine Betreuung rund um die Uhr benötigen.
Tiere sollen ausgewildert werden
Die Tiere wurden inzwischen geimpft und entwurmt. Außerdem wurde ihnen eine Haarprobe für einen Gentest entnommen um Gewissheit zu erhalten, dass es sich tatsächlich um Wildkatzen handelt. Übrigens verhalten sich die drei Findlinge gegenüber ihren „Adoptiveltern“ ausgesprochen undankbar und immer noch aggressiv. Sie können nur mit robusten Lederhandschuhen angepackt werden.
Die kleinen Raubtiere sollen nach der Aufzucht wieder ausgewildert werden und müssen sich dann zunächst ein Revier suchen. Im Wildkatzenzentrum wird darauf geachtet, dass möglichst wenig Kontakt zu Menschen besteht, damit die spätere Auswilderung erfolgreich verläuft. Daher sind die drei „Tiger“ auch den Besuchern im Wildkatzenzentrum nicht zugänglich.
Unterstützung für Telemetrie gesucht
Zurzeit suchen die Verantwortlichen des Geheges nach einem Sponsor, der die Finanzierung einer Telemetrierung (durch einen Sender können die Wanderungsbewegungen des Tieres verfolgt werden) nach der Freilassung sicherstellt. Hierdurch könnten wertvolle Informationen für künftige Auswilderungen gewonnen werden.
Zusätzlich Nachwuchs im Gehege
Das Wildkatzenpärchen im Schaugehege hat zurzeit selbst Nachwuchs. Das Gehege konnte sich über sechs Wildenburger Tiger freuen, die vor ein paar Tagen zum ersten Mal die Wurfhöhle für einen Ausflug verlassen haben und ihre Umgebung erkundeten.
Leider kann nicht immer geholfen werden
Es gibt aber auch weniger positive Nachrichten. Vor ein paar Wochen hatte das Gehege bereits ein Wildkatzenopfer des Straßenverkehrs aufgenommen. Leider kam trotz der sofortigen tierärztlichen Behandlung in diesem Fall jede Hilfe zu spät. Bedingt durch innere Verletzungen verstarb das Tier noch am gleichen Tag.
Dank der großzügigen Förderung durch die Stiftung Kunst Kultur und Soziales der Sparda-Bank Südwest eG war es überhaupt erst möglich geworden, eine Aufzucht- und Auswilderungsstation im Wildfreigehege zu errichten. Wie notwendig eine solche Einrichtung ist, beweisen die Fälle der letzten Wochen.