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HINTERGRUNDINFO LOCKSTOCKMETHODE

Die genetische Inventur der Wildkatzenbestände von BUND und dem Forschungsinstitut Senckenberg

Aufgrund der extrem scheuen Lebensweise der Wildkatze (Felis silvestris) konnte diese bis vor wenigen Jahren nur durch Lebendfang oder Totfunde sicher nachgewiesen werden. Inzwischen lassen sich Wildkatzen auch mit Hilfe der Genetik nachweisen. Innerhalb der zunächst drei bis vier Jahre führt der BUND zusammen mit dem Forschungsinstitut Senckenberg ein weiträumiges Monitoring der Wildkatzenbestände mittels genetischer Analyse von Haarprobendurch. Ziel ist der Aufbau einer Online-Gendatenbank für die Wildkatze unter Beteiligung von zunächst zehn Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen,Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen). Durch diese genetische Inventur werden Daten gesammelt, um die verschiedenen Wildkatzenpopulationen zu charakterisieren. So kann der Grad der Isolierung der Wildkatzenpopulationen voneinander, die Barrierewirkung von Verkehrswegen und Ackerflächen sowie dasWanderungs-verhalten der Wildkatze untersucht werden. Mit Hilfe dieser Ergebnisse lassen sich aktuelle und kommende Korridorplanungen optimieren.

Ablauf und Umsetzung

Um Haarproben zu gewinnen, macht man sich die Vorliebe von Wildkatzen für Baldrian zunutze. Dazu werden einfache Holzpflöcke (Lockstöcke) im Wald ausgebracht und mit Baldrian besprüht. Besonders in der Paarungszeit von Januar bis März werden die Wildkatzen vom Baldrian angelockt und reiben sich am rauen Holz. Dabei hinterlassen sie Haare, die abgesammelt und genetisch analysiert werden können.
Die Lockstöcke im Wald werden nach einem standardisierten Schema ausgebracht: Grundlage sind Probenflächen mit 225 qkm Größe. Jede Probenfläche setzt sich aus 25 Teilflächen (3x3km groß) zusammen, die als Lockstockzellen bezeichnet werden. In den 25 Lockstockzellen werden jeweils zwei Lockstöcke aufgestellt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind 17 Probenflächen nach diesem Schema in 10 Bundesländern etabliert worden. Hinzu kommen kleinere Lockstockaktionen in Regionen, wo Wildkatzen bisher vermutet, aber noch nicht nachgewiesen werden konnten.
Die genetische Analyse erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird anhand der Erbsubstanz in den Mitochondrien (den „Kraftwerken der Zelle“) untersucht, ob es sich bei der Haarprobe um die Wild- oder eine Hauskatze handelt. Durch die Analyse der DNA im Zellkern können die Proben anschließend unterschiedlichen Individuen zugeordnet werden.

Kontakt: Dipl.-Biol. Thomas Mölich, Wildkatzenbüro Hütscheroda, Schlossstr. 4, 99820
Hörselberg-Hainich OT Hütscheroda, E-Mail: wildkatze@bund.net









In Rheinland-Pfalz wird das Projekt von der Stiftung Natur und Umwelt mit Geldern aus der LOTTO -Glücksspirale RLP co-finanziert.



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